EFT für Kinder: die Methode hinter Neuro-Tapping

Ein Name für zwei Methoden

Ein Junge sitzt bei mir am Tisch, kurz vor einer Matheprobe, die Schultern hochgezogen bis fast zu den Ohren. Wir klopfen gemeinsam mit den Fingerkuppen auf die Punkte an den Händen, dieselben Punkte, die auch in der Akupunktur verwendet werden. Gleichzeitig tippt er im Wechsel mit den Füßen, links, rechts, links. Nach ein paar Minuten senken sich seine Schultern von allein. Genau das ist EFT für Kinder in seiner einfachsten Form.

Ich nenne diese Klopftechnik Neuro-Tapping: das Klopfen auf feste Körperpunkte, kombiniert mit dem Aussprechen dessen, was gerade da ist. Dazu kommt die bilaterale Stimulation aus EMDR, der abwechselnde Wechsel zwischen linker und rechter Körperseite, den ich über das Tippen mit den Füßen mit einbaue, während die Hände weiterklopfen. Nebenbei trainiert das noch etwas anderes: Wer gleichzeitig mit Händen und Füßen einen eigenen Rhythmus hält, übt Konzentration und Koordination, ganz nebenbei also Gehirntraining. Beides, EFT und EMDR, sind in den USA anerkannte Trauma- und Therapieverfahren, ich verbinde sie zu einem einzigen Werkzeug, das ich mit Kindern einsetze.

Diese Kurzversion mit Händen und Füßen setze ich am häufigsten ein, unauffällig und schnell einsatzbereit, auch mal zwischendurch. Die ausführlichere Version mit mehreren Körperpunkten, am Kopf, am Schlüsselbein und am Brustkorb hebe ich mir für spezielle Sitzungen auf, etwa im Lernfreude-Einzelcoaching, und selbst dort kommt sie nicht zwangsläufig zum Einsatz.

Eine feste Schritt-für-Schritt-Anleitung, die bei jedem Kind gleich abläuft, gibt es dabei nicht. Manche Kinder erzählen währenddessen, was sie gerade beschäftigt, dann fasse ich in eigenen Worten zusammen, was ich gehört habe, während wir weiterklopfen. Andere sagen kein einziges Wort, und das wirkt genauso. Entscheidend ist der Rhythmus, das Klopfen selbst, nicht ein bestimmter Satz dazu.

Warum das mit Lernen zusammenhängt

Es geht darum, das Nervensystem von dir und deinem Kind zu entlasten und euch aus dem Stressmodus herauszubringen. Bei dem Jungen von eben sieht das so aus: Nach ein paar Minuten senken sich seine Schultern von allein, der Atem wird tiefer. Erst dann kann er sich den Matheaufgaben überhaupt wieder zuwenden, ohne dass die Anspannung jeden Gedanken blockiert.

Genau das ist Arbeit am Fundament in meinem Haus-Bild für Lernen: Ein Nervensystem, das dauerhaft unter Druck steht, kann sich neue Informationen kaum merken, egal wie oft geübt wird. Erst wenn diese Anspannung sinkt, wird aus Üben auch wirklich Fortschritt. Wenn ich EFT für Kinder mit Lernschwierigkeiten anwende, sehe ich das immer wieder: Erst kommt die Regulation, dann erst greift der Lernstoff im Erdgeschoss darüber.

Diesen Moment der Erleichterung kenne ich auch von mir selbst. Ich habe EFT zuerst an mir selbst ausprobiert, lange bevor ich es in meiner Praxis eingesetzt habe, und ich wende es bis heute regelmäßig an. Was ich dabei spüre, ist genau das, was ich bei den Kindern sehe: Die Anspannung geht oft, bevor überhaupt ein Wort dafür da ist.

Wie sich Neuro-Tapping im Alltag konkret anfühlt und einsetzen lässt, liest du in Prüfungsangst bei Kindern lösen. Die Herkunft und die Forschung dazu liest du gleich in den häufigen Fragen.

Willst du selbst spüren, wie sich das anfühlt? Beim Lernfreude-Erlebnisnachmittag probierst du Neuro-Tapping gemeinsam mit deinem Kind aus, kostenlos und unverbindlich.

Häufige Fragen zu Neuro-Tapping: EFT für Kinder

Auf welchen Ebenen im Haus-Bild wirkt Neuro-Tapping? Zusammen mit Neuro-Zeichnen ist Neuro-Tapping eines meiner Werkzeuge für Fundament und Keller in meinem Haus-Bild für Lernen: Es baut akuten Stress ab und hilft deinem Kind, aus dem Keller herauszukommen, damit es sich den Grundlagen im Lernstoff überhaupt stellen kann.

Was ist EFT genau? EFT steht für Emotional Freedom Techniques. Dein Kind klopft mit den Fingerkuppen auf bestimmte Punkte am Körper oder Händen, dieselben Punkte, die auch in der Akupunktur verwendet werden, und spricht gleichzeitig aus, was gerade da ist. Begründet hat EFT der Amerikaner Gary Craig (1940–2026). Bei ihm selbst habe ich keine Kurse gemacht, seine Grundidee habe ich in anderen Kursen gelernt. Wie sich das Konzept ganz konkret für Kinder anwenden lässt, zeigt zum Beispiel dieser Erfahrungsbericht einer Kinder-Coachin.

Was ist EMDR genau? EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Die Psychologin Francine Shapiro hat es 1987 entwickelt. Im Kern geht es um bilaterale Stimulation, den abwechselnden Wechsel zwischen der linken und der rechten Körper- oder Gehirnhälfte, klassisch über Augenbewegungen. In meinem Neuro-Tapping übernehme ich genau dieses Prinzip über den links-rechts-Wechsel beim Klopfen, nicht das vollständige klinische EMDR-Protokoll mit Traumakonfrontation.

Was unterscheidet Neuro-Tapping von klassischem EFT? Ich nutze mehr und teilweise andere Punkte als Gary Craig, alle Meridiane der Akupunktur werden einbezogen, dazu die bilaterale Stimulation aus dem EMDR. Für unterwegs gibt es außerdem eine unauffällige Kurzversion, die ausschließlich mit Punkten an der Hand arbeitet, auch unter dem Schultisch möglich. Die habe ich von Angelina Fabian gelernt.

Ist EFT wissenschaftlich anerkannt? Ja. In den USA ist EFT eine erforschte Trauma-Methode, es gibt Studien zu Traumafolgen, und sogar das US-Militär setzt sie bei Veteranen mit posttraumatischem Stress ein. Seit 2012 gilt Clinical EFT als evidenzbasierte Methode nach den Kriterien der American Psychological Association.

Ist EMDR wissenschaftlich anerkannt? Ja, sogar besonders gut belegt. Die WHO empfiehlt EMDR neben traumafokussierter Verhaltenstherapie als eine von nur zwei Psychotherapiemethoden bei posttraumatischer Belastungsstörung, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Auch das US-Verteidigungsministerium und die American Psychiatric Association stufen EMDR als Erstlinienbehandlung ein.

Wirken EFT und EMDR auch bei Kindern? Beide Methoden sind vor allem bei Erwachsenen gut erforscht, die Studienlage zu EFT und EMDR für Kinder wächst, ist aber noch kleiner. Eine Metaanalyse zu EMDR bei Kindern und Jugendlichen mit posttraumatischer Belastungsstörung zeigt eine Wirkung, die der Wartelisten-Bedingung überlegen und mit klassischer Verhaltenstherapie vergleichbar ist. Ich setze Neuro-Tapping als Coaching-Werkzeug ein, meine eigenen Erfahrungen bestätigen die wissenschaftlichen Forschungen, deswegen lohnt sich für jede Familie das erlernen dieser Methode.

Welche Ausbildung steht bei mir dahinter? Mehrere Weiterbildungen in EMDR, unter anderem als zertifizierte EMDR-Therapeutin (VDH/DGMT/DEMDRG), dazu zwei EFT-Fortbildungen. Die vollständige, chronologische Liste mit allen Instituten findest du auf der Qualifikationen-Seite.

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